Ein Segen für das Taxigewerbe

Die – wie schon zuvor berichtet – für die göttinger Taxibesitzer völlig überraschende Einführung des Mindestlohns hat sich zwischenzeitlich als wahrer Segen für das Taxigewerbe herausgestellt.

Möglicherweise haben einige Kontrolle der Schwarzarbeitsbekämpfung durch den Zoll bewirkt, dass mittlerweile die zuvor berichteten Tricks der schummelnden Chefs nicht mehr ganz so häufig angewendet werden.

Es sind zwar in Göttinger immer noch mehr Taxen auf der Strasse als es für auskömmliche Umsätze gut wäre, aber einige Unternehmen haben offenbar erkannt, es lässt sich mit den neuen Tarifen recht gut leben.

Ein Unternehmen hat auf Sechsstundenschichten umgestellt und so die Pausenregelungen des Arbeitszeitgesetzes elegant umgangen. Die dortigen Mitarbeiter haben längst erkannt, wie sehr die Firma von der neuen Regelung profitiert.

Selbst die ausgeprägten Ganover unter den Taxieignern haben offenbar gelernt, wie riskant es mittlerweile geworden ist, die alten Tricksereien einfach weiter durchzuziehen.

Selbstverständlich werden die Taxler immer noch kräftig ausgebeutet, aber die schlimmsten Ganstermethoden werden erkennbar zaghaften angewendet.

Unter diesen Umständen habe ich durchaus wieder Lust, in Göttingen als Vollzeitfahrer zu arbeiten.

In den letzten Monaten habe ich mich im Landkreis Göttingen umgetan und die dortigen Fahrgäste kennen und schätzen gelernt.

Diese Erfahrungen machen mir wieder Lust auf die göttinger Kundschaft und so ist es durchaus denkbar, dass ich ab 2016 wieder auf den Strassen der „Stadt die Wissen schafft“ unterwegs bin.

In diesem Sinne, auf bald auf der Strasse.

Berufsausbildung als Taxifahrer ?

Der Begriff „Taxifahrer“ ist als Berufsbezeichnung fast genauso wenig geschützt, wie die Berufe „Journalist“ oder „Autor“.

Jeder, der es wie auch immer geschafft hat, einen P-Schein zu erhalten und die vorgeschriebene Ortskundeprüfung zu bestehen, kann sich mit Fug und Recht „Taxifahrer“ nennen.

Dabei ist es gleichgültig, ob er sich wirklich in diesem Arbeitsfeld auskennt oder eben nicht oder nur in Teilgebieten.

In absehbarer Zeit dürften wir erleben, wie fahrerlose Taxen, zuerst vor allem in den Metropolen der Welt oder ausgewählten Testgebieten, den Gelegenheitsverkehr übernehmen werden.

Verschiedentliche Schätzung gehen von der daraus folgenden Wegrationalisierung der meisten Taxichauffeure in den nächsten 30 Jahren oder früher aus.

Wer diesen Kahlschlag in unserem Gewerbe überstehen will, sollte über ausreichende Fähigkeiten verfügen, die über alles, was auch eine Maschine machen könnte, hinausgehen.

Dieser Blogg und mein in Arbeit befindliches Buch
„Die Kunst, ein Taxi zu fahren“
behandeln den nach meiner Ansicht wesentlichen Kern des schönsten Berufes der Welt, nämlich den des Taxifahrers.

Fast alle Kollegen, die mir bekannt sind, haben den Beruf schlichtweg „im freien Fall“ erlernt.

Da heisst es dann: „entweder Du kannst den Job oder Du fällst über kurz oder lang deftig aufs Maul.“

Wer länger dabei ist und seinen Lebensunterhalt mit taxifahrern verdient, weiß ganz sicher genug darüber, um damit über die Runden zu kommen.

Oft aber fehlt es an Fachwissen oder genauer Kenntnis der Rechte und Pflichten sowohl der Kundschaft als auch der Fuhrknechte.

So erntet man oft ungläubige Blicke, wenn man im Kollegengespräch erwähnt, dass Festpreise im Tarifgebiet verboten sind.

Oder man sieht einhelliges Kopfschütteln, wenn darauf verwiesen wird, das Pflichtfahrgebiet der Tarifordnung für Göttingen ist die Stadt und der gesamte Landkreis Göttingen.

Wenn man dann noch hinzufügt, eine Fahrt zum Festpreis nach Duderstadt oder Hann.Münden könne ein Bußgeld von bis zu 5000€ nach sich ziehen, wird manchmal der Verkünder der schlechten Nachricht gelegentlich wohl für einen verlogenen Spinner gehalten.

Ganz sicher ist ein derartiger Gedanke, wenn man hinzufügt, nach dem nahe gelegenen Nörthen-Hardenberg könne man zu jedem beliebigen Preis fahren, sofern der Chef Einem nicht anschliessend entscheidende Körperteile zu entfernen suchen würde.

Es ist wie überall im Leben, wer mag schon Klugscheisser ?

Zurück zum Thema.

Taxifahren ist weit mehr als das solide Handwerk, die Fahrgäste zu jeder Zeit auf kürzestem Wege sicher und zügig an jedes gewünschte Ziel zu befördern.

Denn es ist in diesem Geschäft wie in jedem anderen. Man lebt nicht davon, einen Fahrgast einmal zu befördern, sondern vor allem davon, die Fahrgäste nachhaltig von der Qualität der erbrachten Leistung zu überzeugen.

Der zufriedene Kunde kommt nämlich durchaus gerne immer wieder auf das Angebot des Taxifahrers des persönlichen Vertrauens oder eben zum Unternehmen zurück, das durch dauerhaft gute Leistung überzeugen kann.

So ist es ein wichtiger Aspekt, den Fahrdienst stets und ständig auf hohem Niveau abzuwickeln, auch und gerade dann, wenn nach ewiger Wartezeit am Stand nur die berüchtigte Fünf-Euro-Fahrt gewünscht wird. Mal ganz davon abgehen, die Verweigerung einer solchen Fahrt könnte ebenfalls ein Bussgeld nach sich ziehen. Aber das nur nebenbei.

Also gilt es, Fassung zu bewahren und eine korrekte Leistung zu liefern.

Auch sollte man niemals die Fahrgäste unterschätzen. Die alte Dame, die ärmlich gekleidet nach einer Acht-Euro-Tour die Einkaufstasche nach oben getragen haben möchte, kann sich durchaus als äusserst freigiebige Stammkundin entpuppen, die einmal im Monat ihre Cousine in Hamburg besucht und sich dabei für Hin- und Rückfahrt ein Taxi leistet.

Hierzu vielleicht als Motivationshilfe folgende wahre Begebenheit aus dem letzten Jahr.

Nachdem ich mir geschlagene Vierzig Minuten die Räder vor dem „Alpenmax“ eckig gestanden habe, kommen zwei leicht angeschickerte junge Damen aus dem Laden und wollen mit der Taxe in die Weender Strasse fahren.

Den Hinweis des leicht genervten Kutschers, das wäre doch nur über die Kreuzung, entgegneten die FahrgästInnen keck:

„Na dann kannst Du das doch mal für Drei Euro machen.“

„Ladies, für Drei Euro mache ich es nur ohne Gummi.“

Gelächter der Damen, sie steigen ein, der freche Kutscher wirft das Taxameter an und fährt einmal über die Kreuzung.

„3,80 Bitte.“

„Stimmt so.“ Ein Fünfer wechselt den Besitzer. Immerhin.

„Übrigens müssen wir beide dann noch nach Duderstadt. Fährst Du uns nach dem Essen dorthin ?“

Bingo – und so geschah es dann auch.

Seither melden sich die Damen von Zeit zu Zeit, wenn sie mal wieder in der grossen fernen Stadt ordentlich auf die Pauke hauen wollen, lassen sich also sowohl abholen als auch sicher wieder zurück chauffieren, zumal sie ja frühmorgens nur noch ins Taxi fallen müssen, der Kutscher kennt den Weg und im Radio läuft die jeweils gewünschte Musik.

Sehr viele Kollegen, die ich im Laufe der Zeit kennenlernen durfte, haben einen soliden Bestand an Stammkunden, die bei Bedarf auch gerne vorbestellen, wissen sie doch, was sie am Stammfahrer haben.

Wie ein solcher Kundenstamm nachhaltig aufgebaut werden kann, soll in einem der folgenden Beiträge unter dem Titel „Rent-a-Friend“ geschildert werden.

Bis dahin würde ich mich im Falle dieses Bloggbeitrages sehr über Kommentare und Anmerkungen freuen, auch um sicher zu gehen, dieser Blogg stösst auf Interesse. Ist ja schliesslich auch Arbeit. 😉

Chuzpe

Eines der schönsten Worte im Jiddischen ist das Wort Chuzpe.

Grob vereinfacht, kann man es stets verwenden, wenn eine Frechheit derartig unverschämt übersteigert wurde, dass alle anderen Begriffe einfach viel zu schwach geworden sind.

Aktuellstes Beispiel für extreme Chuzpe ist das Verhalten zahlreicher Taxibesitzer, das heute ausnahmsweise mal nicht nur auf Göttingen bezogen besprochen werden soll.

Die Interessengemeinschaft Bremer Taxifahrer hat vor einigen Tagen eine Umfrage veröffentlich, die verdeutlicht, mit welcher Dreistigkeit eine überwältigende Mehrheit der als „Taxiunternehmer“ Firmierenden, also die hauptamtlichen Berufsgauner, nach wie vor bestenfalls einen gepflegten Haufen Kot auf Gesetze und Vorschriften setzen würden.

So wurde mit treuherzigem Dackelblick bei den jeweiligen Kommunen eine durchaus deftige Erhöhung der Taxitarife durchgesetzt, damit die armen Taxibesitzer auch brav den Mindestlohn zahlen können.

In Göttingen wurde sogar ein tariflicher Nachtzuschlag gefordert, um die laut Arbeitszeitgesetz verpflichtenden Zuschläge für Nachtarbeit zahlen zu können.

Kaum hatten die offenbar vollständig überforderten Volksvertreter die beantragten Tariferhöhungen bewilligt, erlitten die Antragsteller vermutlich einen Anfall von Gedächnisverlust in fast alzheimerschen Dimensionen.

Wie anders wäre es zu erklären, dass neunzig Prozent der bremer Unternehmen keinen Mindestlohn zahlen und nicht viel weniger die lohnabhängigen Fahrer jeden Tag zur Beihilfe zum Betrug nötigen ?

Es ist dringend nötig, endlich massive Massnahmen gegen diese Form von gewerbsmässigem Betrug, um nicht zu sagen organisierter Kriminalität zu bekämpfen.

Einige Fahrer haben schon die Konsequenz gezogen, die eigene Arbeitszeit wahrheitsgemäß zu dokumentieren. Leider tut sich dann aber ein Problem auf: hat der Fahrer die beim Unternehmen abgegebenen Schichtzettel eigenhändigt verfasst und womöglich auch noch unterschrieben, könnte sich der Arbeitgeber vermutlich herausreden und seinerseits dem Fahrer Urkundenfälschung unterstellen.

Wahrscheinlich hilft am Ende nur noch, betrügerische Unternehmer beim Zoll und bei der Staatsanwaltschaft anzuzeigen, um diesem üblen Treiben ein Ende zu setzen.

In einem Fall wurde bereits ein namhafter Göttinger Unternehmer angezeigt, es steht zu hoffen, dass dieser Fall tatsächlich zu einer empfindlichen Strafe führen wird. Denn solange keine abschreckenden Massnahmen seitens des Staates erfolgen, wird weiter ausgebeutet und betrogen werden, da kann im Gesetz stehen, was will.

Es ist wie im Krieg :“Die Wahrheit stirbt zuerst und die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Idiotologie

Das aus dem Griechischen stammende Wort „Idiot“ bezeichnete ursprünglich einen „eigensinnigen Menschen.“

Zum Begriff „Ideologie“ schreibt die scheinbar allwissende „Wikipedia“ :
„Eine Ideologie (…) ist im philosophischen Sinn eine Weltanschauung, die einen hohen Anspruch auf Wahrheit erhebt und die für abweichende Lehrmeinungen kaum noch offen ist.“

Soviel zum Titel dieses Eintrages.

Es gibt – ausser insgesamt 101 Taxen – in Göttingen auch eine sehr aktive Mietwagenfirma. Diese wirkt sehr gut organisiert und wurde vor etlichen Jahren von Taxifahrern gegründet, denen die ausbeuterischen und selbstherrlichen Methode zahlreicher Taxiunternehmer die Freude an der Arbeit im Taxi versauert hatten.

Erkennbar sind die Fahrzeuge an der roten Lackierung und an den Buchstaben „MC“ im Kennzeichen.

Nun ist es ja durchaus eine gute Sache, wenn in Bereich der Personenbeförderung Vielfalt herrscht: man kann den Bus nehmen, das Fahrrad oder die eigene Füße nutzen oder aber ein Taxi oder ein so genanntes „Minicar“ besteigen , bzw. bestellen.

Die preiswerteste Methode sind ohne Zweifel Schusters Rappen, dicht gefolgt vom Fahrrad. Auch recht preiswert sind Busfahrten in Göttingen, die wie überall natürlich subventioniert werden müssen.

Ungefähr gleich kostspielig sind der Mietwagen und das Taxi, wobei das „Minicar“ ein wenig billiger sein kann, da Wartezeiten an der Ampel vom Wegstreckenzähler nicht berechnet werden.

Die Mietwagen kosten tagsüber exakt die gleichen Streckenentgelder wie die Taxen, Nachts sind diese ein klein wenig günstiger.

So kostet eine Nachtfahrt von Acht Kilometern in Göttinger mit dem Taxi 20,90€ und mit dem Mietwagen 20,50€. Man spart also – ausser etwaigen Wartezeiten an der Ampel – runde Vierzig Cent an der Fahrt.

Erfahrungsgemäß schlagen Ampelwartezeiten bei einem routinierten Nachtfahren bestenfalls mit 80 Cent auf Acht Kilometern zu Buche, so dass am Ende ein Preisunterschied von 1,20€ zu Gunsten des Mietwagens entsteht.

Allerdings bietet das Taxi zwei Vorteile:
1. Es ist zu jeder Zeit am Taxameter ablesbar, wie viel die Fahrt bislang kostet. Beim Mietwagen wird bis zum Ende nur die Entfernung angezeigt.
2. Das Taxi steht meistens schon bereit, während der Mietwagen erst angerufen werden muss. Nachts kann es durchaus dreissig Minuten dauern, bis das „Minicar“ beim Kunden ankommt.

Nun gibt es immer wieder „eigensinnige Menschen“, die steif und fest behaupten, der Mietwagen wäre deutlich billiger als das Taxi. Das ist natürlich berechtigt, wenn man einen Unterschied von 1,9% als „deutlich“ bezeichnen möchte.

Erstaunlicherweise versuchen aber gerade Vertreter dieser Meinung immer wieder, beim Taxifahrer einen „Festpreis“ auszuhandeln, also rechtswidrig den vorgeschriebenen Ortstarif zu unterlaufen.

Man mag dazu stehen, wie es Einem gefällt; für meinen Teil habe ich mich immer wieder in amüsierter Betrachtung der im Kalten wartenden Minicarkunden ergeben und mir dabei nur gedacht, dass ich wegen 40, 50 oder 80 Cent keine halbe Stunde warten würde.

Aber Jedem das Seine.

Um Missverständnisse zu vermeiden: ich schätze auch die Kollegen Mietwagenfahrer sehr und gönne ihnen jeden Cent, aber wer als Fahrgast das „Minicar“ aus Kostengründen wählt, der schätzt die eigene Lebenszeit wesentlich billiger ein, als ich es für vernünftig halten würde.

Den Asphalt küssen

Eines der ungeschriebene Gesetze im Taxigewerbe, nach dem „alles was in der Taxe passiert, auch in der Taxe bleiben“ sollte, hat durchaus eine Berechtigung.

Schliesslich geht es die Öffentlichkeit nichts an, wenn Ratsherr XYZ oder Filmstar ABC stockbetrunken auf der Nachhausefahrt über Kollegen abketzt oder sich andere Blößen gibt.

Natürlich hat auch Andrea Normalfahrgast ein Recht auf Privatsphäre und den Schutz derselben auch und gerade durch bloggende Taxifahrer.

So wird es manchmal nicht ganz einfach, die kleinen Geschichten wieder zu geben, ohne insdiskret zu werden.

Hilfreich kann hierbei ein gewisser zeitlicher Abstand sein, deshalb hier eine Begebenheit aus der Zeit vor der letzten Änderung des § 21b der Strassenverkehrsordnung, also als Taxifahrer während der Beförderung von Fahrgästen von der Gurtpflicht befreit waren.

Der leicht angetrunkene Fahrgast, Typ Späthippie auf Dauerhartzbezug, steigt am Marktplatz in meine Taxe und nennt ein Fahrtziel in einem Gebiet, dass von Seinesgleichen bevorzugt bewohnt wird.

Wohlan, die Fahrt beginnt. Als dann das Ziel fast erreicht ist, verkündet der Mann fröhlich, erhabe übrigens kein Geld und könne nicht bezahlen.

Das ist – man mag das glauben oder nicht – übrigens einer der durchaus üblichen Scherze, die manche Fahrgäste des Nacht mit dem arglosen Taxilenker treiben.

Wie in solchen Fällen zur Gewohnheit geworden, gibt der wenig amüsierte Fuhrknecht zur Antwort, dann wäre die Fahrt hier zu Ende.

Meistens wirkt das tadellos, der Kunde besinnt sich seiner Vertragspflicht und nimmt den Spruch zurück.

Diesmal allerdings bleibt der Fahrgast fröhlich, auch als das Taxi steht und der Kutscher auf die Uhr drückt, die 9,10€ zeigt.

„Mal im Ernst, Du hast kein Geld ?“

Er durchwühlt seine Taschen und bringt 3 Euro und 10 Cent in kleinen Münzen sowie einen Einkaufschip zusammen.

„Da fehlen noch sechs Euro, Meister.“

Der nicht mehr ganz so fröhliche Zecher versucht es mit „Frechheit siegt“ und gibt ein deftiges : „Dann hol doch die Bullen“ zur Antwort.

Polizei ? Wegen Sechs Euro ? Nee, nicht wirklich.

Also die 3,10€ eingesackt, den Einkaufchip natürlich auch und
„Jetzt aber raus hier.“

Normalerweise wäre die Sache jetzt erledigt, aber kaum ist er ausgestiegen, schlägt seine Laune radikal um. Er brüllt einige Unflätigkeiten und schlägt mit flachen Hand aufs Autodach.

Ein kurzer Druck auf die Zentralverriegelung, den Motor wieder anlassen, Automatik auf „D“ und nach kurzen Schulterblick das Fahrzeug gewendet ist dann schnell erledigt, weg mit Schaden ist immer besser als sich auf eine solche Auseinandersetzung einzulassen.

Wie der Teufel so will, steht an der nächsten Ampel ein Streifenwagen neben dem Taxi und der Beifahrer bedeutet dem Kutscher, das Fenster zu öffnen.

„Sagen Sie mal, warum fahren Sie ohne Gurt ?“

Jetzt Ruhe bewahren und einfach die Wahrheit sagen:

„Ich hatte soeben einen Fall von Beförderungserschleichung und Nötigung und bis zum Ende der Fahrt galt für mich §21b StVo“

Der Beamte schaut ungläubig und will der Sache nachgehen.

„Sollen wir Ihnen helfen und die Personalien aufnehmen ?“

„Ach ja, das wäre nett. Ich wende, sobald die Ampel grün wird und fahre einfach vor.“

Gesagt, getan zwei Minuten später glaubt die Polizei dem Kutscher, denn der ehemalige Fahrgast und jetzt Tatverdächtige schlendert ebenso nichtsahnend wie fröhlich in Richtung Heimat und staunt nicht schlecht, das die „blöde Sau von Taxifahrer“ tatsächlich „die Scheissbullen“ geholt hat.

Diese beiden Originalzitate erübrigen weitere Erklärungen, die Beamten verlangen den Personalausweis, den der Kerl angeblich nicht hat.

Aber er legt noch mal nach, direkt zu den beiden Polizisten: „Ihr Dreckschweine, Ihr könnt mir gar nichts, ich poliere Euch die Fresse !“

„Oh ha“, denkt sich der Kutscher und macht drei vier Schritte zurück, „jetzt wird es richtig lustig.“

„Hören Sie mal zu“, sagt jetzt der Beamte, „wir sind die Polizei und keine Kaspartruppe. Sie geben uns jetzt Ihre Personalien oder wir nehmen Sie zur Feststellung mit aufs Revier.“

Da macht der Mann den letzten Fehler des Abends. Er holt mit seinem Rucksack aus, in dem zwei oder drei Flaschen klirren und setzt an, damit zuzuschlagen. Aber die beiden Uniformierten sind schneller; schneller als man schauen kann, liegt der ehemalige Fahrgast mit dem Bauch auf dem Boden und erhält ebenso schnell Handschellen verpasst. Rucksack und Festgenommener werden ordnungsgemäß ins Fahrzeug verbracht, diese Nacht wird wohl in einer Zelle enden.

Dem mittlerweile mit der bösen Welt wieder versöhnten Taxifahrer bleibt nur noch, sich bei den beiden flotten Ordnungshütern für die verschaffte Genugtuung zu bedanken und wieder seiner Arbeit nachzugehen.

Und mal ganz ehrlich, die Sechs Euro war mir die Schau wert.

Den Einkaufschip habe ich aufbewahrt und zeige ihn regelmässig den Spaßvögeln, die erzählen, sie hätten „kein Geld“ und berichte dazu wahrheitsgemäß. wohin sowas führen kann.


P.S.: Obwohl am ersten April geschrieben, versichere ich bei meiner Kutscherehre, dass diese Geschichte absolut wahr ist.

Mein kleiner schwarzer Kaktus

Nachdem nunmehr drei Kollegen der Göttinger Fuhrkunstabteilung mich darauf angesprochen haben, ich solle doch mal wieder was „bloggen“ , auch und gern über die Göttinger Taxibesitzer, sehe ich dann doch wieder Bedarf an meinen Bemerkungen zur Branche. Und da liegt natürlich immer noch einiges im Argen, dazu weiter unten ausführlicher.

Zuvor noch ein kleines Update zu meinem momentanen Engagement in der Kunst, ein Taxi zu fahren. Nach drei amüsanten Monaten im Heimatlandkreis Osterode am Harz, der übrigens demnächst mit dem Landkreis Göttingen vereinigt werden soll, bin ich nunmehr wieder regelmässiger in Göttingen, um die Nacht ein wenig sicherer zu machen.

Das kam so: ein mir namentlich bekanntes Mitglied des Vorstandes der Taxibesitzervereinigung erwähnte im Gespräch mit einem mir namentlich bekannten Taxiunternehmer, es wäre „unbedingt zu verhindern, dass dieser Hagenbäumer in Göttingen wieder ein Taxi fährt.“

Diese Äusserung eines herausgehobenen Vertreters meiner Lieblingsgegner hat mich natürlich überaus motiviert, genau das wieder aufzunehmen.

So fahre ich seit einigen Tagen wieder Vollzeit in der Stadt, die Wissen schafft, und habe meinen gemütlichen Job hier im Landkreis an die Wand genagelt.

Den geneigten Lesern dieses Bloggs wird womöglich noch erinnerbar sein, dass diese – sagen wir mal – „Intimfeindschaft“ zwischen der TBV und mir auf eben diesen Blogg zurückgeht, genauer auf die Plaudereien über die grauen bis kriminellen Praktiken einiger schwarzer Schafe im Göttinger Taxigewerbe.

Dieser wohl weniger durch Verstand sondern vielmehr durch dumpfe Empfindung entstandenen besonderen Beziehung muss heute mal wieder ein wenig Futter gegeben werden, denn, wie oben erwähnt, es liegt natürlich immer noch einiges im Argen im Gewerbe.

Ein weiteres, mir ebenfalls namentlich bekanntes Mitglied des TBV-Vorstandes soll vor seinen Mitarbeitern vor einiger Zeit geäussert haben, er würde es „gar nicht einsehen, den Taxifahrer fürs warten am Stand zu bezahlen.“

Womit wir beim Thema des heutigen Eintrages werden, nämlich wie einige der Taxibesitzer versuchen, den gesetzlichen Mindestlohn zu umgehen oder schlichtweg zu verweigern.

Sehr beliebt ist momentan die Variante, dem Fahrer nahezulegen, er solle zwar 10 bis 12 Stunden fahren, aber mindestens zwei Stunden Pause „aufschreiben“, also kostenlose Mehrarbeit leisten.

Das ist natürlich nicht ohne Risiko für den Unternehmer, denn zum Einen werden die Fahrzeuge der an die TBV-Zentrale angeschlossenen Unternehmer durch ein GPS-gestütztes System rund um die Uhr europaweit überwacht, so dass eine durch den Zoll durchzuführende Kontrolle dieser Daten einen gerichtsverwertbaren Beweis für die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden erbringen würde.

Zum Anderen kann es sehr hilfreich sein, wenn der Fahrer die eigenen Arbeitszeiten lückenlos dokumentiert, denn man kann ja im Zweifelsfalle den pflichtwidrig handelnden Arbeitgeber auch rückwirkend auf den vorenthaltenen Lohn verklagen.

Das hat dann wirklich ernste Konsequenzen für den Chef.

Just in dieser Woche hatte ich das Vergnügen, einem Gerichtsprozess beizuwohnen, bei dem ein mittlerweiler ehemaliger Taxiunternehmer wegen Verstoss gegen den § 266a Strafgesetzbuch (Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt) ordentlich verknackt wurde.

Dazu im nächsten Bloggeintrag zum Thema „Bescheissen“ ausführlicher.

Zurück zum Thema, wie man den gesetzlichen Mindestlohn zu umgehen sucht.

Ein legales aber durchaus fragwürdiges Mittel ist die Verkürzung der Arbeitszeiten. So sind einige Unternehmen dazu übergegangen, die Schichtzeiten drastisch zu verkürzen, um Lohnkosten zu sparen.

Das ist natürlich im Prinzip ein richtiger Weg in Richtung betriebswirtschaftlichen Denkens, hat aber für einige Kollegen zur Folge, am Ende des Geldes noch sehr viel Monat über zu haben.

Immerhin scheint aber die Erkenntnis zu wachsen, dass ein Arbeitgeber auch die zeitliche Bewirtschaftung seiner Fahrzeuge zu organisieren hat.

Das war nämlich bis letztes Jahr offenbar eher nicht der Fall, die Fahrer waren ja am Umsatz beteiligt, da interessierte es die Arbeitgeber wenig bis gar nicht, ob der arbeitende Mensch auch einen anständigen Lohn bekam.

Eine weitere Konsequenz aus dem – für etliche Göttinger Taxibesitzer offenbar völlig überraschend – verordneten Mindestlohn ist der Verkauf von Konzessionen.

So erklärte die Inhaberin der Firma „Night & Day“ gegenüber dem „Göttinger Tageblatt“ , sich von Fünf Konzessionen trennen zu wollen.

Das könnte durchaus ein reizvolles Angebot sein, sofern für diese Konzession nicht der bislang übliche Graumarktpreis verlangt werden würde.

Womöglich würde ich dann selber eben diese Konzession erwerben wollen, um in Göttingen mal so richtig das Taxigewerbe aufzumischen.

Dazu demnächst mehr.

Neues Jahr, neuer Job

Den universalen Lebenslauf eines typischen Taxieigners – vor allem im schönen Göttingen – auf drei Worte zusammen zu fassen, ist eigentlich ganz einfach: „Geboren – gejammert – gestorben.“

Anders gesagt: hätte ich für jede einzelne, letztendlich nur die eigene unternehmerische Unfähigkeit offenbarende, Äusserung über die furchtbare Katastrophe namens „Mindestlohn“ aus Taxibesitzermund einen einzigen Euro erhalten, dann könnte ich mir heute ein eigenes Taxi kaufen.

Wie schon mehrfach erwähnt,die überwiegende Zahl der Göttinger Taxibesitzer sind schlichtweg keine Unternehmer und selbst zu grundlegenden betriebswirtschaftlichen Überlegungen noch nicht einmal ansatzweise in der Lage; „unwissend wie Stuhl“, würde mein früherer BWL-Lehrer dazu sagen.

Viele kommen natürlich wieder auf die bereits mehrfach erwähnten krummen Touren und wollen schlichtweg bescheissen, wenn es um die Lohnzahlung geht. Selbst ein langjähriges Mitglied des angeblich so ehrenwerten Vorstandes der Taxibesitzervereinigung („TBV“) hat nichts besseres zu tun, als in alle Welt hinaus zu posaunen, er würde halt schummeln weil er es nicht einsehe, „die Fahrer für Nichtstun zu bezahlen.“

Es dürfte sehr amüsant werden, wenn der erste dieser sauberen Gesellschaft mal ordentlich vom Zoll gefilzt wird; es ist wohl noch nicht zu allen durchgedrungen, dass es eine Hotline zum Mindestlohn beim Bundesarbeitsministerium gibt. Unter 030/60 28 00 28 kann man sich nicht nur informieren sondern auch erfahren, wie man weniger gesetzestreue Taxichefs gezielt anschwärzen kann.

Aber das soll hier gar nicht Thema sein.

Da mir das mehrfach beschriebene „gehühner“ in der Göttinger Taxibranche schon länger auf die Nerven ging, habe ich im vergangenen Dezember mal ein wenig in meinem alten Jagdrevier, also am Harzrand, einige Taxiunternehmen angefragt und siehe da, schon beim Zweiten hat es anstandslos geklappt.

Nach einem Monat Aushilfe habe ich heute meinen neuen, unbefristeten Vollzeitarbeitsvertrag unterschrieben – selbstverständlich zum gesetzlichen Mindestlohn bei korrekter Arbeitszeiterfassung.

Hier im Landkreis werden nämlich schon seit jeher Stundenlöhne gezahlt, in Durchschnitt waren es 6,75€ Brutto. Die Unternehmer haben beim Landkreis längst eine seit dem 1.Januar 2015 gültige Tariferhöhung durchgesetzt und so rechnet sich die Sache für alle Seiten.

Mein neuer Chef, für den ich bereits schon einmal gearbeitet habe, hat mir freundlicherweise gestattet, im zulässigen Rahmen nebenberuflich weiter in Göttingen durch die Nacht zu kutschieren.

Mal schauen, wie sich das dann anfühlen wird: auf der einen Seite ein seriöses Taxiunternehmen mit geregelten Arbeitszeiten und pünktlichem Feierabend und dagegen des Nachts die durchaus auch anziehende Taxi-Anarchie in der „Stadt die Wissen schafft.“

Morgen werde ich mal wieder durch die Göttingen Nacht streifen und ein wenig auf den Busch klopfen, wo ein Wagen für ein paar Stunden pro Nacht zu bekommen ist. Dazu demnächst mehr.

Bei dieser Gelegenheit soll allen ehrenwerten Kollegen in Göttingen, vor allem aber den überaus anständigen Chefs der Unternehmen „Taxi Amin“ und „Alpha Taxi“ in Göttingen, beide bemerkenswert „Weisse Schafe“ in einer Horde von Taxi-Ganoven, sowie meinen liebenswerten Fahrgästen ein ebenso frohes und glückliches Neues Jahr gewünscht werden, wie es sich für mich seit heute darstellt.

Allzeit Gute Fahrt und Fette Beute !

§ 13 BOKraft

Grundsätzlich warte ich ja immer einige Zeit, bis ich die Geschichten, die man als Nachtkutscher so erlebt, aber heute mache ich mal eine Ausnahme.

Es ist natürlich allnächtliche Routine, stark bis schwer Besoffene nach Hause zu bringen, aber der junge Mann, der heute Nacht in meine Taxe gefallen ist, sprengte jeden Rekord an Trunkenheit.

Die Fahrt begann recht harmlos. Ein ziemlich besoffener Bursche, anfang Zwanzig, steigt mit einiger Mühe in meinen Benz, nennt ein Fahrtziel, das rund 50€ entfernt ist und zahlt unaufgefordert 60€ Vorkasse.

Soweit, so gut, also anschnallen bitte und los geht die Fahrt, schön langsam, damit ihm nicht schlecht wird.

An der letzten Ampel vor der Schnellstrasse reisst der Herr Fahrgast plötzlich die Beifahrertür auf und klettert aus dem Wagen, um sich nach allen Regeln der Kunst zu übergeben.

Wenigstens ist das Auto nicht besudelt worden, trotzdem nicht wirklich so ganz mein Fall. Rechts ranfahren, Warnblinker an und erstmal eine deutliche Verwarnung aussprechen, derlei Manöver nicht unangekündigt zu machen.

Der Kunde nickt verständnisvoll, übergibt sich gleich nochmal und nimmt die anschliessende dargebotenen Küchentücher dankbar an. Einigermasse gesäubert geht es anschliessend weiter. Noch vorsichtiger natürlich und immer ein Auge auf den Fahrgast.

Keine fünf Minuten später, wir fahren Tempo 80 auf schnurgerader Strecke, rund 40 Km/h unter der erlaubten Geschwindigkeit, schnallt er sich ohne Vorwarnung ab und öffnet gleichzeitig die Beifahrertür.

Jetzt bloss keine Panik, Vollbremsung fällt ja flach, sonst knallt er gegen das Armaturenbrett.

Langsam abbremsen und mit der rechten Hand den Burschen festhalten, damit er nicht während der Fahrt aussteigt. Rechts ran, Warnblinker an und schon ist er aus dem Auto und kotzt nochmal so richtig hinter die Leitplanke.

Des Kutschers Geduld ist mittlerweile fast vollständig erschöpft. Der Fahrgast wird nochmal deutlich verwarnt und bei der nächsten Gelegenheit geht es runter von der Schnellstrasse auf die Kreisstrasse.

Kaum 500 Meter später, diesmal bei gemütlichen 50 Km/h die gleiche Nummer, Gurt ab, Tür auf.

So, mein Freund, und jetzt greift § 13 der „Betriebsordnung Kraftverkehr“, der da lautet: „Der Unternehmer und das im Fahrdienst eingesetzte Betriebspersonal sind nach Maßgabe der Vorschriften des Personenbeförderungsgesetzes verpflichtet, die Beförderung von Personen durchzuführen. Soweit nicht ein Ausschluß von der Beförderungspflicht nach anderen Rechtsvorschriften besteht, können sie die Beförderung ablehnen, wenn Tatsachen vorliegen, die die Annahme rechtfertigen, daß die zu befördernde Person eine Gefahr für die Sicherheit und Ordnung des Betriebes oder für die Fahrgäste darstellt.“

Hier also ist Ende im Gelände, keine Weiterfahrt.

Dem Bengel ist es egal. Er legt sich in den Strassengraben und sagt, ich könne ruhig nach Hause fahren, er käme schon zurecht. Nein, mein Sohn, das kann ich nicht. Wenn Du besoffen über die Strasse torkelst und vor einen Laster läuft, bin ich dafür verantwortlich. Also über Funk einen Streifenwagen bestellt, das Auto abgeschlossen und warten, bis die Polizei eintrifft.

Die kommen auch erstaunlich schnell, bezeugen die korrekte Herausgabe des Restgeldes von der Vorkassenzahlung und verfrachten den jungen Mann in den Streifenwagen und dann in Richtung Ausnüchterungszelle.

Herzlichen Dank meine Herren, ich werde Sie in mein Nachtgebet einschliessen.

Sowas kommt zum Glück relativ selten vor, aber es ist jedesmal ein Schock, auf was für bescheuerte Ideen Leute in diesem Stadium der Trunkenheit kommen.

Allen Kollegen, sogar den fiesen Tourengeiern, wünsche ich von ganzem Herzen, dass Ihnen solche Erlebnisse erspart bleiben.

Und mir zukünftig auch.

Die Göttinger Sieben

Seit dieser Woche kursiert in den Kreisen der Göttinger Taxifahrer ein Aufruf zur Gründung des „Vereins Göttinger Fuhrleute“, kurz „VGF“ genannt.

Diesen Aufruf haben insgesamt ein gutes Dutzend Kollegen initiert, von denen sich aber nur Sieben in der Lage sahen, den eigenen Namen zu veröffentlichen.

Andere Kollegen wollen gerne bei dieser Interessenvertretung mitmachen,
hatten aber Bedenken wegen ihrer Arbeitgeber.

Diese Sorge unterstreicht ein weiteres Mal, wie dringend in Göttingen eine starke Arbeitnehmervertretung benötigt wird. Sie ist auch nicht ganz unbegründet, denn mittlerweile greifen die Unternehmer zu ziemlich schmutzigen Tricks. So hat der grösste Taxiunternehmer am Ort, die Firma „Night and Day“, eine schriftliche Liste mit „unerwünschten“ Fahrern erstellt.

Auf dieser Liste finden sich unter anderem ein Kollege türkischer Herkunft und ein Afrikaner. Natürlich bin auch ich dort verzeichnet, so dass ich jetzt wegen meiner Internetaktivitäten in diesem Blog bei den beiden größten Taxizentralen für Funkaufträge gesperrt bin.

Polemisch könnte man das als „russische Verhältnisse“ bezeichnen, aber es liegt mir fern, den Herrn Putin mit beileidigenden Vergleichen zu verärgern.

Zu meinem Glück unterstützen mich meine Stammkunden durch direkte Bestellung meines Taxis und sogar einige Kollegen schieben mir hin und wieder die eine oder andere Tour zu.

Sehr dankbar bin ich auch meinem sehr toleranten Chef, der trotz etlicher Widrigkeiten seitens der anderen Unternehmer treu zu mir steht, aber leider nicht genannt werden möchte.

Man möchte sich angesichts der Zustände in den Köpfen der Göttinger Taxibesitzer schon so manches mal fragen, ob diese bereits im Manchester-Kapitalismus angekommen sind oder eher dem Spätfeudalismus oder gar der „spätrömischen Dekadenz“ anhängen.

Der korrekteste Unternehmer, den ich in meinen Taxifahrerkarriere kennenlernen durfte, hatte einen sehr guten Spruch drauf, den ich hier den Herren Taxibesitzern in Göttingen ins Stammbuch schreiben möchte:
„Zwangsarbeit ist abgeschafft.“

Sobald der oben erwähnte „VGF“ gegründet ist und eine ausreichende Zahl von Mitglieder hat, wird es wohl die eine oder andere Auseinandersetzung mit den Herren Arbeitgebern geben müssen, bis diese Erkenntnis auch dort Früchte treibt.

Es bleibt also spannend.

Tariferhöhung im Landkreis Göttingen beantragt.

Der Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN e.V.) hat beim Kreistag des Landkreises Göttingen eine deutliche Erhöhung der Tarife im „Gelegenheitsverkehr“ beantragt.

Dieses schöne Wort aus dem Amtsdeutschen bezeichnet das Taxigewerbe.

Zum 1.Januar 2015 soll der Grundpreis von jetzt 2,80€ auf 3,10€ erhöht werden. Für die ersten 5 Kilometer sollen jeweils 2,60€ (bisher 1,80€) und für jeden folgenden Kilometer 2,00€ statt bislang 1,60€ berechnet werden.

Der GVN hatte in seinem Antrag 2,80€ für die ersten fünf Kilometer sowie 2,20€ für jeden folgenden Kilometer gefordert.

Ausserdem fordert der Verband einen Zuschlag von 1,00€ pro Fahrt an Sonn- und Feiertagen sowie in der Nacht, also von 22 bis 6 Uhr.
In der Beschlussvorlage des Landrates findet sich hierzu nichts.

Der Verband begründet seine Forderung mit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns und weisst ausdrücklich auf einen für die Nachtzeit fälligen Zuschlag auf den Mindestlohn hin.

Die Tarifänderung soll am 10.11.2014 im Wirtschaftsausschuss und am
12.11.2014 im Kreisausschuss des Kreistages behandelt werden.

Offenbar wurden die Tarifänderung bereits mit der Stadt Göttingen vereinbart, im Schreiben des GVN e.V. wird eine solche mündliche Vereinbarung jedenfalls behauptet.(1)

Sollte die Beschlussvorlage des Landrates vom Kreistag so angenommen werden, würde sich eine Fahrt von der Stadtmitte nach Weende oder nach Geismar von jetzt rund zwölf Euro auf sechzehn Euro verteuern, also eine Preissteigerung von 33%.

Für eine Fahrt von Göttingen nach Hann.Münden würde der Fahrpreis von jetzt rund 49€ auf 62€ steigen, eine Erhöhung von rund 27%.

Es kann also von einer durchschnittlichen Verteuerung von rund 30% ausgegangen werden. Erfahrungsgemäß haben solche Tariferhöhungen einen zumindest vorübergehend Rückgang beim Fahrgastaufkommen zur Folge.

Grundsätzlich ist eine deutliche Verteuerung des Taxifahrens aber unausweichlich, die bisher laut Verband gezahlten Bruttolöhne von 5,50€ bis 6,50€ sind schlichtweg ausbeuterisch und müssen dringend angepasst werden.

Es ist bedauerlich, dass die Taxibesitzer erst durch das Mindestlohngesetz zu einigermassen menschenwürdiger Bezahlung gezwungen werden mussten, anstatt von sich aus zu handeln.

(1) https://sessionnet.krz.de/kreis_goettingen/bi/to0040.asp?__ksinr=5535